Friedrich Böttger und C. I. du Paquier

In Europa war es 1709 der aus dem thüringischen Schleiz stammende Alchemist und Apothekengehilfe Friedrich Böttger (1682-1719) dem es nach langwierigen Experimenten gelungen ist einen weißen Scherben zu produzieren (= sog. Böttgerporzellan). Es handelte sich dabei zunächst um ein Kalkporzellan, aus dem sich allmählich durch ständige Verfeinerung der Tonmasse Hartporzellan entwickelte. Die Fertigung von Objekten aus rein weißen Hartporzellan gelang in Meißen erstmals um 1720, kurz nach Böttgers Tod. Hand in Hand mit seinen Entdeckungen kam es 1710 unter Friedrich August den Starken (1670-1733) zur Gründung der Königlichen Porzellanmanufaktur Meissen.

Nur wenige Jahre darauf, als sich durch Spionage das Arkanum auch außerhalb der Grenzen Meißens trug, wurde in Wien 1718 die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas ins Leben gerufen. Ihr Begründer war der am Wiener Hof als k. k. Hofkriegsagent agierende Claudius Innozenz du Paquier (1679-1751), der am 27. Mai 1718 von Kaiser Karl VI. ein 20jähriges Privileg erhielt, das ihm ein alleiniges Recht der Porzellanfertigung im Habsburgreich einräumte.
Die Geschichte der beiden ältesten Porzellanmanufakturen verlief äußerst wechselhaft und war immer wieder von finanziellen Höhen und Tiefen gesäumt. Während die Meissner Porzellanmanufaktur bis heute ohne jede Unterbrechung Porzellan fertigt, schloss die k. k. Porzellanmanufaktur im Jahre 1864 aufgrund stagnierender Einnahmen ihren Betrieb. In Folge gab es einen mehrjährigen Produktionsstopp, der bis 1923 andauerte. Mit der Wiedereröffnung der Wiener Porzellanmanufaktur im Schloss Augarten wurde die schon für alle Zeiten tot geglaubte Tradition der Fertigung von Wiener Porzellan erneut wiederbelebt. Neben alten Vorlagen, Mustern und Dekoren wurden nun auch zeitgenössische Künstler, wie Josef Hoffmann, Franz von Zülow, Ena Rottenberg u.a. gebeten neue Entwürfe für Formen und Dekore zu entwickeln. Ähnlich verlief es auch in der Meissner Porzellanmanufaktur, wo man speziell um 1900 mit dem Vorwurf rückständig und einfallslos geworden zu sein, kämpfen musste. Durch das Hinzuholen wie beispielsweise eines Henry van de Velde oder Walter Schott sowie dank des Innovationsgeistes der Brüder Julius Konrad und Johannes Rudolf Hentschel gelang es auch der sächsischen Manufaktur neunen Schwung in die Porzellanfertigung zu bringen.