Von Chinoserie bis Genre
Ein gewisser stilsitsicher Gleichklang im Oeuvre der Meissner und Wiener Porzellanmanufaktur, der selbstverständlich auch von vielen lokalspezifischen Unterschieden begleitet ist, lässt sich an den Porzellanen beider Manufakturen für alle Zeiten (Epochen) postulieren. Während in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorwiegend Formen und Dekore asiatischer Porzellane Vorbildwirkung hatten, begann man ab den späteren 30er Jahren eigenständige europäische Sujets zu malen. In der Blumenmalerei wandte man sich allmählich von den indianischen Blumen ab, indem in Folge vorwiegend die heimische Flora aufs Porzellan gemalt wurde. Die anfangs so beliebten Chinoiserien wurden hingegen von Hafen- und Schlachtenszenen sowie höfischen Geschehnissen u v. m. abgelöst. Als Porzellan im Frühklassizismus sowie Biedermeier zunehmend für das Großbürgertum erschwinglich wurde, avancierten sowohl im Bereich der Porzellanplastik als auch innerhalb der Malerei Genreszenen (Alltagsszenen) zu beliebten Sujets, was wiederrum Themen der Mythologie, wie sie noch im Barock zu den gefragtesten zählten, stagnieren ließ.Der Wandel der Stile, Formen und Dekore lässt sich wie ein buntes Kaleidoskop wechselnder Bilder lesen, der auch immer mit der aktuellen Zeitgeschichte im Diskurs steht. Abgesehen von der Funktion des Speisens (Tafelgeschirr) ist Porzellan auch immer Zierobjekt und Zeitdokument in einem.
